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6 Entscheidungshilfen für potenzielle Selbstverleger

Wie Du vielleicht schon mitbekommen hast, habe ich mein erstes E-Book im Selbstverlag veröffentlicht. Dies war eine bewusste Entscheidung hinter der ich auch heute noch voll und ganz stehen kann. Der Selbstverlag (oder in Englisch: Selfpublishing) ist eine grossartige Möglichkeit, seine Werke in die Welt hinaus zutragen, wenn man keinen Verlag finden konnte oder diesen Weg nicht gehen möchte. Ich habe beispielsweise gar nicht versucht, mein E-Book bei einem Verlag unterzubringen. Denn ich wollte, dass es genauso veröffentlicht wird, wie es ist und nicht noch 100 Mal von einem Lektor abgeändert wird. Natürlich trägst Du so auch ein gewisses Risiko selbst. Du bist alleine fürs Marketing zuständig und musst die Kosten für beispielsweise ein Korrektorat (welches natürlich kein Muss ist, ich jedoch sehr empfehle) selber tragen. Meiner Meinung nach, macht es auch noch einmal ein Unterschied, was genau Du veröffentlichen willst. Ein kleines E-Book ist sicher einfacher selber zu verlegen (und ist auch mit weniger Kosten verbunden) als ein grosser Roman.

 

Über die meisten nachstehenden Punkte war ich mir im Grossen und Ganzen bewusst, als ich mich für den Selbstverlag entschieden hatte. Denn sie sind „relativ“ logisch. Trotzdem ist es sicher nicht verkehrt, wenn Du Dir diese genau überlegst.

 

1. Bin ich sicher, dass meine Geschichte Hand und Fuss hat?

 

Die ersten Fragen, mit denen wir uns in diesem Artikel beschäftigen, sind Grundsatzfrage.

  • Bin ich mir sicher, dass die Geschichte einen Sinn ergibt?
  • Hat sie keine Lücken oder Logikfehler?
Diese Gedanken macht sich bestimmt jeder Autor, ob beim Verlag unter Vertrag oder nicht. Und sie ist nicht unberechtigt. Denn gerade bei einem Werk von mehreren hundert Seite, kann sich schon mal der eine oder andere Fehler einschleichen. Glücklicherweise kannst Du hier den negativen Gedanken ganz einfach Abhilfe schaffen, indem Du Dir Testleser suchst. Sobald Du mit der Überarbeitung fertig bist (oder am besten schon ein wenig vorher) suchst Du Dir Leute, welche Deinen Roman gerne lesen und Dir danach konstruktives Feedback geben. Nimm hierzu nicht nur Leute aus Deinem Bekanntenkreis. Diese sind oft zurückhaltender mit Kritik als Fremde. Dies ist ja lieb gemeint, bringt Dich nur leider nicht weiter. Suche deshalb gezielt nach Personen, die Du nicht kennst. Dies kannst Du entweder über Deine Social Media Kanäle machen (vorausgesetzt, Du hast dort schon eine gewisse Followerzahl) oder Du wendest Dich in Foren an ausgewählte Autorengruppen. Auf Facebook gibt es beispielsweise eine Gruppe, in der es nur um das Finden von Testlesern geht. Dort kannst Du Deine Anfrage mit einem kurzen Beschrieb Deines Romans und Deinen Erwartungen an die Testleser posten. Damit Du das bestmögliche Resultat für Dich erzielst, ist es wichtig, dass Du ihnen genau sagst, auf was sie schauen müssen. Erstelle beispielsweise eine Checkliste, mit den Punkten, die für Dich wichtig sind. Dann können sie sich während des Lesens daran richten und Dir am Schluss ein detailliertes Feedback geben.

 

2. Habe ich genügend Marketingwissen, um mein Buch publik zu machen?

 

Der Büchermarkt wird gerade überflutet von neuen Autoren. Nicht zuletzt auch wegen der Möglichkeit, sein Buch im Selbstverlag zu publizieren. Diese Veränderung hat jedoch nicht nur positive Seiten. Sie setzt den einzelnen Autor mehr unter Druck, sich von der Masse abzuheben. Das heisst, Du musst noch kreativer, noch ausgefallener werden, um Dein Buch an den Mann (oder die Frau) zu bringen. Falls Du bereits in irgendeiner Form im Marketing tätig warst oder bist, hast Du einen gewissen Vorteil gegenüber den Nicht-Marketing-Leuten (wie ich einer bin). Wenn Du also so wie ich, nicht viel Ahnung von dem Ganzen hast, dann ist Selbststudium das A und O. Lies Dir alles durch, was Du über Selfpublishing oder auch Onlinemarketing findest. Du eignest Dir so nicht nur essenzielles Wissen an, sondern siehst auch gleich, welchen Aufwand es beinhaltet und ob Du diesen Weg wirklich gehen möchtest. Es ist selbstverständlich keine Schande, wenn Du Dich danach entscheidest, lieber eine Veröffentlichung über einen Verlag in Betracht zu ziehen.

 

3. Möchte und kann ich die Kosten für das Korrektorat / Cover / Marketing etc. selber tragen?

 

Dann kommen wir zu den lieben Kosten. Beim Cover kommt es ein bisschen darauf an, ob Du Dein Werk „nur“ als E-Book oder auch als Printversion veröffentlichen willst. Beim E-Book fand ich es persönlich einfacher. Mein Cover habe ich (sogar mit vergleichsweise wenig Aufwand) selbst gestaltet. So konnte ich bereits einiges an Unkosten einsparen. Bei der Printausgabe ist es schon ein wenig schwieriger, denn das Cover muss genau auf die Grösse Deines Buchs angepasst sein. Bevor Du Dich also mit Deinem grafischen Wissen ins Design stürzt, musst Du entscheiden, welche Masse Dein Buch haben soll. Bei diversen Sebstverlagsplattformen gibt es auch sogenannte Gratis-Creators, mit denen Du Dein Cover kostenfrei und mit Hilfe einer Vorlage erstellen kannst. Mir persönlich entsprechen diese Vorlangen überhaupt nicht, aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

 

Dann kommen wir zu den Punkten, die für beide Publikationsformen (also E-Book oder Print) gleich sind: das Korrektorat und das Marketing. Auf das Korrektorat würde ich auf keinen Fall verzichten, denn Dein Buch ist Dein Aushängeschild. Wenn es nur so strotzt vor Flüchtigkeitsfehlern (und vor denen kann grundsätzlich niemand davon rennen) machst Du logischerweise keine gute Eigenwerbung. Die Chance, dass in diesem Fall jemand Dein zweites oder drittes Buch auch kauft, ist beinahe gleich null. Du siehst, dieses Geld ist gut investiert. Nun zum Marketing. Je nach Strategie setzt Du vielleicht komplett (oder mindestens zu einem großen Teil) auf Social Media Werbung. Solltest Du Dir dort schon einen Namen gemacht haben, ist dies sicher der kostengünstigste Weg für Werbung. Wenn Du allerdings noch keine so große Reichweite hast, musst Du schnell mal zum Geldbeutel greifen. Die kostenpflichtigen Werbeanzeigen auf Facebook oder Instagram können schnell mal einen grossen Part einnehmen, wenn Du diese über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten willst. Werde Dir auch hier klar, ob Du diese Investition wirklich tätigen willst oder ob es auch noch andere, kostengünstigere Varianten gibt.

 

4. Habe ich die Geduld, allenfalls auch länger auf den finanziellen Erfolg zu warten?

 

Ja die liebe Geduld. Nicht gerade mein Lieblingsthema (denn ich habe definitiv nie zu viel davon) aber trotzdem darf sie nicht aussen vor gelassen werden. Dass Du im Selbstverlag von heute auf morgen Millionär wirst, ist sehr unwahrscheinlich. Es ist jedoch eine gute Möglichkeit, um längerfristig ein passives Einkommen zu generieren. Ein Buch ist langlebig. Gerade ein Roman oder auch ein zeitloses Sachbuch ist auch in fünf oder sogar zehn Jahren noch aktuell und kann gekauft werden. Das heisst, Du hast auch in zehn Jahren noch die Möglichkeit mit Deinem Buch Geld zu verdienen. Natürlich darfst Du hier auch wieder das Marketing nicht aus den Augen verlieren und solltest Dein Werk immer mal wieder pushen. Aber grundsätzlich ist es eine Möglichkeit, auch längerfristig finanziell davon zu zehren. Wenn Du also auf den schnellen Erfolg und das grosse, einfach verdiente Geld aus bist, ist der Selbstverlag wahrscheinlich nicht der richtige Weg für Dich. Für alle anderen: Haut rein in die Tasten.

 

5. Möchte ich den grossen Aufwand wirklich auf mich nehmen?

 

Nicht nur die Geduld, sondern auch der Zeitfaktor solltest Du Dir bewusst vor Augen führen. Das Schreiben Deines Werkes ist die eine zeitliche Hürde. Das ganze Selbststudium frisst nochmals mindestens genauso viel an wertvoller Freizeit. Ich habe mehrere Stunden an Recherche investiert, bevor ich mich überhaupt getraut habe, an eine Veröffentlichung im Selbstverlag zu denken. Zugegeben, ich bin jemand, der immer ganz genau wissen möchte, was auf mich zukommt. Falls dies bei Dir nicht der Fall sein sollte und Du eher der Macher bist, wirst Du wahrscheinlich schneller veröffentlichen als ich. Dann wäre dies ja grossartig. Trotzdem musst Du Dir im Klaren sein, dass Selfpublishing (in der Regel und für Normalos wie ich einer bin) ein echter Zeitfresser sein kann.

 

6. Welcher Anbieter ist der Richtige für mich?

 

Zu guter Letzt gehen wir kurz auf die verschiedenen Anbieter ein. In der heutigen Zeit hast Du eine grosse Auswahl an Firmen, welche Dein Werk drucken und mit einer ISBN Nr. versehen. Diese Nummer brauchst Du, damit man Dein Buch in den Buchhandlungen bestellen kann. Es ist somit gelistet und kann über alle grossen Läden (wie Thalia, Weltbild, Osiander usw.) oder Onlineshops (wie beispielsweise Amazon) bezogen werden. Das heisst, grundsätzlich fällt für Dich keine weitere Arbeit wie das Verpacken und Versenden der Bücher an. Dies macht alles der Anbieter. Dein Buch wird nach der Bestellung gedruckt und gleich an den Kunden verschickt. Welcher Anbieter nun der Richtige für Dich ist, kann ich Dir leider nicht sagen. Klick Dich durch die verschiedenen Angebote, wäge die Vor- und Nachteile gründlich ab und achte auch auf die rechtlichen Aspekte (wie beispielsweise den Autorenvertrag).

 

So, nun lass ich Dich mit den ganzen Denkanstössen alleine und hoffe, Du kannst für Dich die beste Wahl treffen. Falls Du noch mehr Motivation zum Thema Schreiben brauchst, schau doch auch bei meinen Artikel „11 Gründen, wieder mehr zu schreiben“ rein.

 

Ich wünsche Dir viel Spass beim Veröffentlichen.

 

Deine Cindy

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